


Im Januar 2011 hat Frau Wachtel ihre Qualifizierung zur Einzelhandelskauffrau im Bereich Rehatechnik und Sanitätshauswaren erfolgreich abgeschlossen. Das Ausbildungsteam des Berufsförderungswerks Oberhausen hat die strahlende Absolventin erneut eingeladen, um über Ihre Erfahrungen im BFW und im Praktikum rückblendend zu berichten.
BFW: Wie sind Sie auf das BFW Oberhausen aufmerksam geworden?
Frau Wachtel: Durch die Agentur für Arbeit in Essen
BFW: Was hat Sie zur Berufswahl als Einzelhandelskauffrau für Rehatechnik- und Sanitätshauswaren veranlasst?
Frau Wachtel: Durch meinen Vorberuf bin ich bereits früher häufig mit Hilfsmitteln in Berührung gekommen und wollte dieses Wissen unbedingt weiterhin nutzen.
BFW: Sie konnten Ihren Beruf als Erzieherin und Heilpädagogin aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben, konnten Sie Ihre beruflichen Vorerfahrungen dennoch in der Ausbildung anwenden?
Frau Wachtel: Definitiv! Ich konnte besonders im Praktikum mein Wissen über bestimmte Hilfsmittel anwenden und mein Wissen noch vertiefen. Auch in der Theorie haben mir meine Vorerfahrungen mit Kunden einen besseren Einblick gebracht.
BFW: Welcher Lerntyp sind Sie und wie kamen Sie mit dem Lernpensum zurecht?
Frau Wachtel: Ich bin ein visueller Lerntyp. Ich habe sehr viel mit farbigen Karteikarten gelernt und mir regelrecht ein System angelegt, um es effektiver verstehen und lernen zu können.
Im Großen und Ganzen kam ich sehr gut zurecht. Mit meinen Zensuren war ich eigentlich immer zufrieden (lacht). Es gab natürlich immer Momente in denen ich dachte „Ohje, das schaffe ich nicht". Aber mit genug Eigeninitiative und mit dem Verständnis der Ausbilder und Dozenten hat es ja doch geklappt - im Nachhinein sogar sehr gut.
BFW: Haben Sie festgestellt, dass Sie auch schon mal Lernblockaden und Ängste hatten?
Frau Wachtel: Oh ja, häufig wurde ich leicht panisch vor Klausuren und war manchmal ein ganz schönes Nervenbündel.
BFW: Gab es denn im BFW die Möglichkeit für Sie, Ihre Ängste und Blockaden abzubauen, bzw. wurde Ihnen dabei Hilfestellung geleistet?
Frau Wachtel: Ich habe mich dem psychologischen und sozialen Dienst anvertraut und dort hat man zusammen mit mir Lerntechniken erarbeitet, die mir definitiv geholfen haben, mich optimal vorzubereiten. Das war eine wirklich große Hilfe für mich!
BFW: Wie wurden Lerninhalte und Lernmethoden Ihrer Meinung nach umgesetzt?
Frau Wachtel: Lerninhalte wurden uns so vermittelt, dass wir sehr viel selbst erarbeiten konnten und selbstständig Aufgaben gemacht haben. Dadurch habe ich glaube ich mehr gelernt, weil man sich viel intensiver in die Themen einarbeitet.
BFW: Das beschreibt im Prinzip die wesentlichen Teile des handlunsgorientierten Unterrichts. Was sind denn konkret die Vorteile dieses Unterrichtskonzepts?
Frau Wachtel: Handlungsorientierter Unterricht bedeutet für mich, dass man sein Wissen wirklich vertiefen und verinnerlichen kann. Das ist alles andere als einfaches Auswendiglernen. Wir haben zu den meisten Lernfeldern zusätzlich Präsentationen halten und Erfolgskontrollen schreiben müssen, so habe ich auch gelernt, wie man gut vor einer Gruppe vorträgt. Ich denke, wir haben langfristig gelernt und werden sicherlich unser Wissen erfolgreich im Beruf anwenden können - es hatte also im Endeffekt sehr viele Vorteile, weit über das Fachwissen hinaus.
BFW: Sie sagen Sie haben weit über das Fachwissen hinaus gelernt - Haben Sie etwas für sich persönlich mitgenommen?
Frau Wachtel: Ja, auf jeden Fall. Ich habe erst hier gemerkt, dass ich mich bei Präsentationen sehr wohl fühle und dass ich richtig aus mir rausgehen kann. Außerdem habe ich für mich die richtige Lernform gefunden, mit der ich Erfolg habe.
BFW: Ein anderes Thema: Sie haben während Ihrer Qualifizierung zwei Praktika absolviert: Erzählen Sie mal...
Frau Wachtel: Meine Praktika habe ich in zwei verschiedenen Sanitätshäusern gemacht und hatte somit sechs Monate ersten intensiven Kontakt mit dem Alltag im Sanitätshaus. Hier kam mir das selbstständige Lernen zu Gute, denn ich habe mir auch im Sanitätshaus vieles selbst angeeignet. Man hat mir von Anfang an sehr viel Vertrauen in beiden Häusern entgegengebracht und mich schnell in die alltäglichen Arbeiten einbezogen, wie zum Beispiel in den Außendienst.
Das zweite Praktikum war für mich dann natürlich leichter, weil ich mein erworbenes Wissen aus dem ersten Jahr einfließen lassen konnte. Das Tolle war, dass ich in beiden Sanitätshäusern eine Stelle angeboten bekommen habe. Ich habe dann schon vor meiner mündlichen Prüfung in meinem zweiten Praktikumsbetrieb, einem bekannten Essener Sanitätshaus, angefangen zu arbeiten und war froh über den nahtlosen Übergang in ein spannendes Arbeitsumfeld. Das war ein tolles Gefühl!
BFW: Herzlichen Glückwunsch! Sie haben ja schon direkt nach der schriftlichen Prüfung angefangen zu arbeiten und haben für die mündliche Prüfung nebenbei gepaukt. Wie war das für Sie?
Frau Wachtel: Das war eine große Doppelbelastung für mich. Ich war abends oft sehr müde von der Arbeit und wollte mich aber unbedingt auf die mündliche Prüfung vorbereiten. Es hat zwar am Ende geklappt und mit meiner Note bin ich sehr zufrieden, aber ich würde es nicht noch mal so machen. Lieber einen Schritt nach dem anderen.
BFW: Das stimmt, das ist sehr schwierig. Aber Sie haben ja mit Bravur abgeschlossen. Jetzt noch mal eine andere Frage: Der Warenbereich für Rehatechnik und Sanitätshauswaren ist sehr speziell, wie empfanden Sie die Seminare und was würden Sie sich wünschen?
Frau Wachtel: Die Seminare waren schon sehr hilfreich für mich. Bei vielen Schulungen hatte ich wirklich einen „Aha" Effekt in Bezug auf die Produkte. Ich würde mir allerdings mehr dieser Seminare wünschen, da der Warenbereich wirklich sehr groß ist. Aber auch Buchführung und Marketing müssen ja sein (lacht). Ich denke, am besten ist es, im Praktikum einfach immer nachzufragen und sich so viele Produkte wie möglich erklären zu lassen. Das Meiste lernt man sowieso in der Praxis.
BFW: Vielen Dank für das offene Gespräch, Frau Wachtel. Wir wünschen Ihnen natürlich alles Gute auf Ihrem weiteren beruflichen und privaten Weg und hoffen, dass Ihr Neustart ins Arbeitsleben reibungslos verläuft!